May 102011
 

In welcher Beziehung steht die naturwissenschaftliche Astronomie zu der von vielen Seiten als pseudowissenschaftlich abgetanen Astrologie? Beide Wissensbereiche befassen sich mit den Positionen von Himmelskörpern, doch während Astrologen den Stand der Gestirne auf symbolischer Ebene deuten, um Auswirkungen auf das menschliche Handeln abzuleiten, studieren Astronomen die Bewegungen der Himmelsobjekte und den Aufbau des Universums.

Über viele Jahrhunderte hinweg waren Astrologie und Astronomie miteinander untrennbar verbundene Wissenschaften. Die Voraussetzungen der astrologischen Deutkunst waren astronomisches Instrumentarium, sowie die Fähigkeit, Beobachtungen zu den Positionen von Sternen und Planeten durchzuführen. Daher waren es Astronomen, die Horoskope für ihre Auftraggeber erstellten, obwohl ihre Aufgabe im möglichst exakten Messen und Berechnen von Himmelskörperbewegungen bestand. Die Entwicklung des Fernrohres zu Beginn des 17. Jahrhunderts trug wesentlich zur Abkehr vom geozentrischen Weltbild bei: Kopernikus’ Annahme, dass die Sonne im Zentrum des Kosmos steht, konnte nun belegt werden. Das Zeitalter der Aufklärung war die Geburtsstunde der neuzeitlichen Wissenschaft. Astronomie rückte in die Nähe von Mathematik und Naturwissenschaft, die Astrologie blieb in der Mythologie haften. Bis heute sind die beiden Teil unterschiedlicher Wissenskulturen.

Monika Gindl-Muzik, Astrologin & Humanenergetikerin

Seit nunmehr 25 Jahren beschäftigt sich Monika Gindl-Muzik mit Astrologie, mittlerweile setzt sie ihr Wissen auch erfolgreich im Beruf um. Ihre Tätigkeit des professionellen Coachings verbindet sie auf Wunsch ihrer KlientInnen mit astrologischer Analyse und Beratung. Dabei dürfe Astrologie nicht als Möglichkeit konkreter Vorhersagen missverstanden werden, betont Gindl-Muzik. Sie sei vielmehr ein Werkzeug, zeitlich gebundene Entwicklungstendenzen zu bestimmen. Die Zeitqualität vergangener wie zukünftiger Momente ließe sich aus den Konstellationen der Gestirne ablesen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt etwa wirke sich Uranus’ Übergang in das Tierkreiszeichen des Widders in einer Tendenz zu politischen Unruhen und Umbrüchen aus.

Nicole Steiner: Frau Gindl-Muzik, in Esoterik-Kreisen kursieren Theorien, dass am 21.12.2012 eine Naturkatastrophe bevorsteht, die die Menschheit auslöschen könnte. Messen Sie als Astrologin diesem Datum eine besondere Bedeutung bei?

Gindl-Muzik: Der 21.12. – welcher nach neuesten Forschungsergebnissen wahrscheinlich eher der 23.12. ist – hat nur eine Bedeutung: es ist der Tag, an dem eines von drei Kalendersystemen, das die Maya benutzt haben, zu Ende geht. Das könnte man – völlig unesoterisch – durchaus mit unserem Jahrtausendwechsel vergleichen. Auch zur Jahreswende 2000 hatten die Menschen ein ungutes Gefühl und machten sich Sorgen, dass etwas passieren könnte. So ähnlich ist das mit der Zeitrechnung des Maya-Kalenders. Ich glaube nicht, dass die Maya davon ausgegangen sind, dass das Ende eines Zyklus das Ende der Welt mit sich bringt. Ein Humbug, dass die Maya an den Weltuntergang glaubten.

Nicole Steiner: Sehen Sie als Astrologin, dass uns am ominösen Tag, am 21. oder vielleicht auch am 23. Dezember nächsten Jahres etwas Schlimmes – vielleicht aber auch etwas Gutes – bevorstehen könnte?

Gindl-Muzik: Es sind an diesem Datum keine astrologisch relevanten Phänomene zu verzeichnen. Grundsätzlich ist es so, dass man anhand der Astrologie keine konkreten Geschehnisse vorhersagen kann. Man kann die Zeitqualität bestimmen und Tendenzen aufzeigen. Ich würde das aber nicht in Begrifflichkeiten fassen wie gut oder schlecht, positiv oder negativ. Diese Termini zählen nur in Verbindung mit der Frage: Gut oder schlecht für wen oder was? Eine Umweltkatastrophe kann Unheil und menschliches Leid anrichten. In dem Fall, dass sich daraufhin die menschlichen Siedlungen zurückziehen, kann sie auch dazu führen, dass die Natur sich erholt und zu einem Paradies der Artenvielfalt wird – wie in Maui. Die Erdbeben und der Tsunami in Japan etwa hatten zur Folge, dass sich die Menschen wieder verstärkt mit dem Thema Kernenergie befassen, es wurden also Änderungen im Bewusstsein der Menschen herbeigeführt. Es findet sich immer Positives wie Negatives in jedem Ereignis, je nach dem Bezugsrahmen, in dem man die Folgen betrachtet.

Nicole Steiner: Könnte es sein, dass der Maya-Kalender und seine Zählweise auf bevorstehende astronomische Ereignisse, die eine Katastrophe auf der Erde auslösen, hindeuten?

Gindl-Muzik: Also, ich bin keine Astronomin. Ich beschäftige mich nur etwas mit Astronomie, soweit es zu meiner Profession gehört. Es ist so, dass unser Sonnensystem derzeit den galaktischen Äquator durchquert. Die dadurch entstehenden physikalischen Einflüsse auf die Erde erklären möglicherweise die Häufung von Naturkatastrophen oder Phänomene wie die Erderwärmung. Ich halte es schon für möglich, dass eine gewisse Kongruenz zwischen den überlieferten Zeitaltern der Maya und diesen Phänomenen besteht. Die Maya waren ja astronomisch sehr versiert und konnten kosmische Zyklen vorausberechnen.

Astrologie in der Hochkultur der Maya

Tatsächlich leisteten die Maya ab etwa 900 v. Chr. Großes im Bereich der Mathematik und der Sternenkunde. Das Interesse an astronomischen Vorgängen entsprang dem Glauben an die kosmische Bestimmtheit von Schicksalen und Fügungen. In lebenspraktischen Fragen verließ sich das Volk der Maya auf Prognosen, die es anhand komplizierter Zeitrechnungsverfahren erstellte. Drei Kalendersysteme ergänzten einander in ihren Funktionen. Haab, der Jahreskalender umfasste 365 Tage. Aus Beobachten des Sonnenstandes heraus entwickelt half er jahreszeitliche Veränderungen der Natur in gesellschaftlichen Unternehmungen zu berücksichtigen. Tzolkin, ein Zählzyklus von 260 Tagen, war stärker an metaphysische Vorstellungen gekoppelt. Der heilige Kalender – so wurde er genannt – diente dazu irdisches Geschehen mit den Bewegungen des Himmels in Übereinstimmung zu bringen. Die einzelnen Tage waren Gottheiten zugeordnet, deren Patronanz unterstützend oder hinderlich auf die Vorhaben der Menschen wirken konnte. Der Kalender der Langen Zählung der Tage schließlich ermöglichte astronomische Berechnungen in die Zukunft oder die Vergangenheit. Er umfasst eine Zeitspanne von 5 125 Jahren. Der Anfang dieses langen Zyklus’ deckt sich mit dem Beginn der Zeitrechnung der Maya. Bald hat der Zyklus seinen Endpunkt erreicht: am 21. Dezember 2012. Ein besonderes Datum? Expertin Monika Gindl-Muzik meinte, astrologisch betrachtet gäbe es dafür keinerlei Anzeichen.

Interview & Fotos: Tereza Hofmanova, Nicole Steiner
Text: Julia Pekarek

Bild oben rechts: Eber, „Halbmond“ – Some rights reserved
Bild unten rechts: Latino, “Maya Tempel” – Some rights reserved
Quelle: www.piqs.de

  One Response to “Der Blick in die Sterne”

  1. Ich interessiere mich sehr für das Thema und freue mich rießig den tollen blog gefunden zu haben. sher informativ und interessant!

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