May 102011
 

Der Hinduismus ist keine einheitliche Religion, sondern eine Weltansicht, die aus zahlreichen Richtungen besteht. Keine davon gibt es in reiner Form, sondern immer nur Verbindung mit anderen. Die Vorstellungen des Hinduismus sind geprägt von einem ewigen Kreislauf, dem die Individuen unterworfen sind und die sich in Weltzeitaltern (Yugas) und Äonen bis in alle Ewigkeit wiederholen. Es existiert in diesem Sinne kein Weltuntergang wie es in unserer Kultur verstanden wird, nur ein Neuanfang aller Dinge. „Der Ursprung ist das Ende und das Ende ist der Ursprung.”, wie es vom Friedensnobelpreisträger und  Brahmo-Samaj-Anhänger Rabindranath Tagore überliefert wird.

Im hinduistischen Glauben unterscheiden sich zwei Kategorien von Göttern: die untergeordneten Götter, die ebenso wie die Menschen dem zyklischen Kreislauf unterworfen sind und die großen mächtigen Götter, die das Werden und Vergehen verursachen. Die Idee dahinter ist, das jene Götter außerhalb des Zyklus stehen, um nach dem Verfall der einen Welt eine neue aufbauen zu können, da etwas Seiende nicht aus dem Nichts entstehen kann.

Die vier Zeitalter
Das Großzeitalter Maha-Yuga besteht aus vier Zeitaltern: Krita-(Satya-)Yuga, Treta-Yuga, Dvapara-Yuga und Kali-Yuga, die insgesamt 4.320.000 Menschenjahre dauern. Christina Kundu, Stellv. Generalsekretärin am Institut der hinduistischen Religionsgemeinschaft in Österreich erklärte, dass wir uns momentan im letzten und schlimmsten Zeitalter befinden, dem Kali-Yuga. Es ist das Weltalter der Streitigkeiten, der Materialisierung, des Niedergangs, der Unruhen, Seuchen und der Zerstörung. Die Menschen zeichnen sich aus durch Unwissenheit, Unbarmherzigkeit, Stress, Gier und einem Drang hin zu Spielhöllen, Kneipen, Börsen, Bordellen, etc.

Der Weltuntergang
Nach dem Glauben der Hindus bricht der Weltuntergang an, wenn die Lehren des Dharma nicht mehr befolgt werden, sich die gesellschaftlichen Kasten vermischen und das Wissen um die Götter und die Kultur verloren geht. Dann verbrennen die sieben Unterwelten, die Erde, die Luft und die Himmel der Götter. Ein Sturm wird die Asche zerstreuen und eine Wasserflut (ähnlich der Sintflut im Christentum) wird alles überschwemmen. Der Gott Vishnu, der auf einer Weltenschlange sitzt, wird dabei ertrinken und es herrscht ein Zustand der Eingeschmolzenheit, bis er wieder erwacht und eine neue Schöpfung beginnt. Somit ist der Weltuntergang nicht das Ende, sondern nur eine Pause, ein Kraftschöpfen und eine Chance auf einen Neuanfang.

Auflösung des Universums
Die vedischen Schriften unterscheiden vier Arten von Auflösungen:

  1. die kontinuierliche Auflösung der Körper und der Lebewesen,
  2. die gelegentliche Auflösung des Universums nach einem Tag in Brahmas Leben,
  3. die elementare Auflösung der Elemente nach hundert Jahren in Brahmas Leben und
  4. die endgültige Auflösung, in der die Seele befreit wird und aus dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburt erlöst wird.

Wenn Brahmas Lebensspanne abgelaufen ist, kehren die 24 Elemente wieder in ihren Urzustand zurück und die Seelen ruhen in Maha-Visnu (dem großen Vishnu), bis sie bei der nächsten Schöpfung wiedergeboren werden. Die Auflösung des Universums erfolgt in umgekehrter Reihenfolge wie seine Schöpfung in dem die Erde durch das Wasser vergeht, Wasser durch Feuer, Feuer durch Luft. Die Luft vergeht in der Ursubstanz und Grundlage der materiellen Schöpfung.

Die Kultur im Alltag
Im Hindu Tempel Mandir in Wien treten die Gläubigen dem Jahr 2012 mit ruhigen Gewissen gegenüber. Jürgen Rabanser, geborener Christ, praktiziert in seiner Freizeit den Hinduismus nach der Yoga-Philosophie: “Ich persönlich hab jetzt keine Panik oder so wegen 2012, jedoch sagt mir meine Intuition, dass schon einige heftige Dinge passieren könnten und das spür ich seltsamerweise stärker als zur Jahrtausendwende”. Den Hindus zufolge markiert das Jahr 2012 die Pause zwischen dem Einatmen und dem Ausatmen des Schöpfergottes Brahma in der die Zeit einen Moment lang still steht und außergewöhnliche Dinge geschehen.

Viele Menschen machen aus  dem Jahr 2012 eine große Geschichte, wie auch zur Jahrtausendwende, und behaupten, dass sich die Welt verändern wird. Doch jede Sekunde des Lebens bedeutet Veränderung. Veränderungen, die vor allem im Bewusstsein der Menschen jeden Tag passieren, jede Stunde, jede Minute. Mal sind diese größer und lebensverändernd und manchmal nur so klein, dass wir sie kaum wahrnehmen. Vishwa-Guru Mahamandaleshwar Paramhans Sri Swami Maheshwaranandaji glaubt an eine Veränderung im Jahr 2012, doch nicht so, wie viele Menschen prophezeien. (Genaures finden Sie hier.)

Nach Maheshwaranandaji ist es wichtig, nicht mehr nach Konsum zu streben, sondern durch Gebete, Meditation, Yoga und eine vegetarische Lebensweise wieder so menschlich zu werden, wie wir es zu Beginn des ersten Zeitalter waren, in dem wir uns durch Reinheit und Tugendhaftigkeit ausgezeichnet haben. Es liegt bei uns durch Yoga und Meditation wieder zu dem zurückzukehren wie wir einst waren: frei von Angst, Gier, Illusion, Lust, Zorn, Neid und Krankheit.

Helen Rebarz

Quellen:

Bilder (some rights reserved):

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