May 102011
 

Einen Weltuntergang, wie man ihn nach dem Ablauf des Maya-Kalenders am 21. 12. 2012 erwartet, findet man im Buddhismus nicht.

Denn „der Buddhismus beschäftigt sich mit dem Hier und Jetzt“ informiert Marina Jahn, Vizepräsidentin der österreichischen buddhistischen Religionsgesellschaft. „Eine grundlegende Wahrheit des Buddhismus besagt aber, dass die ganze Welt und ihre Bewohner vergänglich sind. Es verändert sich alles, aber nichts vergeht.“ Das bezieht sich auch auf die Welt selbst.

Nach buddhistischer Vorstellung, gibt es keinen Weltanfang und kein letztes Ende aller Dinge, sondern einen endlosen Kreislauf von Weltentstehungen und Weltuntergängen. Dieser Verlauf lässt sich in vier Weltperioden unterteilen:

  1. abnehmende Welt oder „Weltuntergang“
  2. Chaos
  3. Weltentstehung
  4. Fortdauer der entstandenen Welt

Die Zeitperiode in der sich dieser Prozess vollzieht, wird Kalpa genannt und ist von unberechenbarer Länge. Das Weltgesetz bewirkt also Entstehen, Bestehen, Vergehen und Nichtexistenz der Welt in stetiger Wiederholung. Jahn spricht aber auch hier nicht von einem Weltuntergangsszenario und beschreibt die Phasen wie folgt: „Im deutschen Sprachgebrauch wird ein Untergang gleichgesetzt mit etwas das für immer weg ist. Das ist im Buddhismus nicht der Fall. Die Perioden der abnehmenden Welt und des Chaos lassen sich hier gleichsetzen. Beide Begriffe beschreiben eine Veränderung eines Zustandes wie er vorher war, sozusagen einem ‚Weltuntergang‘ der jetzt bestehenden Welt. Bei der Weltentstehung wird, aus dem was da ist, etwas Neues gemacht. Optisch hat sich vielleicht etwas verändert, aber in Wirklichkeit nicht. Die Fortdauer der entstandenen Welt beschreibt dann wieder den Punkt 0, von dem wir beginnen.“

Im Diamantsutra steht über die Vergänglichkeit der Welt: „So sollt ihr über diese ganz flüchtige Welt denken: ein Stern in der Morgendämmerung, eine Luftblase auf einem Fluss, ein Blitz in einer Sommerwolke, ein flackerndes Licht, ein Phantom, ein Traum.“

Auch der Mensch ist diesem dauernden Wandel unterworfen. Der Körper erneuert sämtliche Zellen im Lauf von etwa sieben Jahren. Er wächst in unserer Jugend und zerfällt im Alter. Marina Jahn setzt diesen Vorgang mit dem Wachstum einer Pflanze gleich: „Zuerst setzen wir einen Blumensamen in die Erde. Man gießt die Pflanze, sie wächst und verblüht irgendwann. Dann gibt man die abgestorbene Blume auf den Kompost, wo sie sich wieder zu Erde verwandelt.“

Zu aktuellen Katastrophen, wie dem Atomunfall in Japan, meint Jahn: „Auch diese stehen für die Vergänglichkeit. Etwas ist gebaut worden, es wurde nicht bedacht was passieren kann, aber es ist passiert. Was wir jetzt haben ist zwar kein Weltuntergang, aber Chaos.“

Im Buddhismus gilt das Prinzip von Ursache und Wirkung. „Die Wirkung der Welt ist, dass es wahrscheinlich diese Welt so wie wir sie jetzt kennen, irgendwann nicht mehr geben wird. Alles besteht aus zusammengesetzten Elementen, welche sich in dieser Form auflösen. Das heißt aber nicht, dass es völlig verschwunden ist. Es verändert sich nur!“, bemerkt Jahn.

Was nach dieser Veränderung kommt, weiß auch Jahn nicht zu beantworten: „Lassen wir uns überraschen!“

Text und Fotos Daniela Seeber

Quellen:

Glasenapp, Helmuth von: Die fünf Weltreligionen. Brahmanismus, Buddhismus, Chinesischer Universismus, Christentum, Islam. München: Wilhelm Heyne Verlag, 1963.

Reichle, Verena: Die Grundgedanken des Buddhismus. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 1994.

Linke Bernd, Michael (Hg.): Untergangsmythologie in den Religionen. Frankfurt am Main: Verlag Otto Lembeck, 2003.

Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft www.oebr.at

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