May 102011
 

Das Ende des Maya Kalenders bedeutet für viele den Weltuntergang. Doch wie steht die Katholische Kirche zum Ende der Welt? Glauben Katholiken überhaupt an ein endgültiges Ende?

Domkapitular Monsignore Mag. Franz Schuster

Kan. Msgr. Mag. Franz Schuster war 12 Jahre Generalvikar der Erzdiözese Wien. Er hat, trotz seiner derzeitigen Sabbatzeit (Ruhepause, Anm.d.Red), weiterhin eine Arbeitsgruppe für die Bischofskonferenz geleitet und eine Evaluierung zur Umsetzung der Rahmenordnung gegen Missbrauch und Gewalt in der Kirche durchgeführt. Ab September 2011 wird er in Begleitung von ausländischen Priestern tätig sein. Er erklärte sich bereit die Sicht der Katholischen Kirche zum Thema Weltuntergang zu er läutern.

 

Als Handbuch der Unterweisung in den Grundfragen des römisch-katholischen Glaubens dient der Katechismus der Katholischen Kirche (abgekürzt: KKK). Er eignet sich als Nachschlagewerk des römisch-katholischen Verständnisses des christlichen Glaubens. Dort steht unter anderem geschrieben, dass der Zeitpunkt der Vollendung der Erde und der Menschheit, sowie die Art und Weise, wie das Universum umgestaltet werden soll, nicht bekannt ist. Am Ende der Zeiten wird das Reich Gottes zu seiner Vollendung gelangen.

C. Gaudera: “Wie sieht die Katholische Kirche den jüngsten Tag, das Ende der Welt?”

F. Schuster: „Die Katholische Kirche sieht den jüngsten Tag immer im Zusammenhang mit der Auferstehung. Gerade zu Ostern kann man sagen, dass die Auferstehung der Kern der christlichen Botschaft ist. Vor allem auch deshalb, weil Christus selbst auferstanden ist von den Toten. Der jüngste Tag, und der Tod, und das ewige Leben – das sind alles Wirklichkeiten, die zusammen gedacht werden müssen. Wir sind eigentlich in einer großen Auferstehungshoffnung.“

Die Apokalypse ist die religiöse Offenbarung, in der das bevorstehende, schreckliche und katastrophale Ende der Welt beschrieben wird. Die Apokalypse des Johannes ist das letzte Buch im Kanon des Neuen Testaments, das der Verfasser geschrieben hat, um die Christen auf das letzte Eingreifen Gottes in die Welt vorzubereiten. Die Verschlechterung der Lebensverhältnisse der Christen im Römischen Reich unter Domitian wurden als Zeichen für den Beginn einer katastrophalen Zeit gehalten. Die Christen sollten diese letzte Krise noch erdulden, in der sicheren Erwartung eines unmittelbar bevorstehenden “ewigen und gerechten Zeitalters”.

C. Gaudera: “Lässt sich das Johannesevangelium demzufolge auf die heutige Zeit umlegen? Wie darf es interpretiert werden?”

F. Schuster: “Die Evangelien sind natürlich immer Zusammenstellungen und Beschreibungen des Lebens Jesu unter einem ganz bestimmten theologischen Aspekt, in dem Schwerpunkte auch zusammengefasst werden. Man kann vieles wörtlich nehmen, aber das Wichtigste ist natürlich immer die Botschaft für eine bestimmte Situation. Es wird oft vergessen, dass Jesus selber Jude war und daher ist es wichtig unsere christliche Religion mit unseren jüdischen Wurzeln zu betrachten. Juden erwarten und hoffen auf den Messias. Wir hingegen sind überzeugt, dass er in Jesus bereits gekommen ist, Jesus ist für Christen somit der Retter der Welt.“

C. Gaudera: “Die Bibel erwähnt im 6. Kapitel der Offenbarung des Johannes die vier Apokalyptischen Reiter als Boten der nahenden Apokalypse. Sterne werden vom Himmel fallen, die Sonne wird sich schwarz, der Mond sich blutrot färben… Eigentlich spricht hier doch alles gegen die Auferstehung, oder?”

F. Schuster: „Das sind Bilder, die nicht Angst, sondern Hoffnung machen wollen auf ein gutes Ende. Es sind aber auch Bilder, die trösten wollen und die die Menschen zur Entscheidung für Gott, zur Entscheidung zu Christus mahnen wollen. Es geht eigentlich letztlich immer auch um unser Hier und Jetzt und nicht nur um das Ende der Welt. Aber natürlich sind es auch sehr drastische Bilder, die den Ernst der Entscheidung für Christus unterstreichen wollen.“

Um dies ein wenig zu verdeutlichen:
Die Apokalypse wurde vor Jahrhunderten geschrieben und stellt einen Zugang des gläubigen Menschen zur endzeitlichen Dramatik und zur Erwartung der Endzeit dar. Zum Beispiel: „Der erste [Engel] ging und goss seine Schale über das Land. Da bildete sich ein böses und schlimmes Geschwür an den Menschen, die das Kennzeichen des Tieres trugen und sein Standbild anbeteten.“ (Offb 16,2) – Diese Bilder aus der damaligen Zeit machten den Menschen früher Angst, da sie nicht vorhersehbar waren. Aber eine positive Sicht dieser Texte, die in der Auferstehungshoffnung des christlichen Glaubens gründet, wird ihnen, theologisch gesehen, besser gerecht als eine angstmachende negative Deutung. In der katholischen theologischen Sicht ist es heute jedenfalls durchaus durchgängig der Fall, diese Texte möglichst positiv zu verstehen und zu deuten.

C. Gaudera: “Wie blickt die Katholische Kirche dem 21. Dezember 2012, dem Ende des Maya Kalenders und möglichem Weltuntergang, entgegen?”

F: Schuster: „In der Kirche gibt es keine Angst vor dem Weltuntergang, weil wir einfach der festen Überzeugung sind, dass die Welt eine Zukunft hat, welche wiederum mit der Auferstehung zu tun hat. Wir glauben, dass die ganze Schöpfung zur Auferstehung berufen ist. Daher können keine Prognosen über ein Ende gegeben werden. Letztlich kommt am Ende eines Menschen immer die Frage nach dem Danach auf und es besteht eine tiefe Sehnsucht und Hoffnung, dass das Leben nicht völlig sinnlos war und es ein weiteres Leben gibt.“

Für die Katholische Kirche ist also nicht die Angst vor einem Weltuntergang das leitende Motiv ihrer Überzeugung und ihres Handelns, sondern die Entscheidung des Einzelnen sowie der ganzen Gemeinschaft für eine gute Gestaltung der Welt, hier und heute, und das auch im Blick auf die Vollendung unseres Lebens, getragen von der Hoffnung auf die Auferstehung.

Text und Foto von Cornelia Gaudera

Quelle:
Katechismus der Katholischen Kirche – Onlineversion: http://www.pfarrer.at/katechismus_glaube_katholisch.htm

  One Response to “Das Ende der Welt aus Sicht der Katholischen Kirche”

  1. […] Phänomen und kommt in den verschiedensten Kulturen in den verschiedensten Formen vor. Sei es die Apokalypse im Johannesevangelium oder seien es die Vorhersagungen Nostradamus, viel zu oft wurde ein Ende vorhergesagt. Warum also […]

 Leave a Reply

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

(required)

(required)