Apr 122011
 

 

Dass uns nächstes Jahr im Dezember der Untergang der Welt erwartet, gehört mittlerweile schon zum Allgemeinwissen. Sollte sich aber diese Schreckensvision tatsächlich erfüllen, wäre das wohl das erste pünktliche Weltende unserer Geschichte. Denn die Zeitpunkte der Apokalypse wurden bereits unzählige Male festgelegt und mit einem Gemisch von Angst und Hoffnung erwartet – bis heute jedoch erfolglos.

Doch warum lernen die Menschen aus der Vielzahl vergangener Fehlvorhersagen nicht und lassen sich noch immer von Untergangsvisionen ein Kribbelgefühl im Bauch auslösen? Offensichtlich ist der Menschheit eine Art der chronischen Endzeitstimmung eigen, sagen die Experten. Unsere persönlichen Existenzängste, die „unheilbare Religiosität“ des Menschen und die ständige Suche nach Wundern hinter den Kulissen des Lebens sind die Gründe dafür, dass wir seit Jahrtausenden den Tag des Jüngsten Gerichts so bereitwillig erwarten.

 

Religionen und die Apokalypse

Die Bilder der Apokalypse finden sich bereits im Buch der Bücher – der Bibel.  Von der alttestamentlichen Sintflut, die von den christlichen Historikern ca. auf das Jahr 3268 v. Chr. datiert wird einmal abgesehen, bringt die Offenbarung des Johannes (geschrieben ca.100 n. Chr.) die prominenteste christliche Prophezeiung des Jüngsten Gerichts. Hier wird die Endzeit ausführlich als Wiederkunft Jesu Christi beschrieben, der die Welt von dem Bösen befreit. Allerdings kennen wir weder den Tag, noch die Stunde dieses Ereignisses.

Auch der Islam arbeitet mit einer sehr ähnlichen Vorstellung der „letzten Stunde“, der eine allgemeine Unheilssituation in der Welt vorausgeht. Ein beträchtlicher Teil des Korans widmet sich dieser Thematik und beschreibt detailliert die Signale des bevorstehenden Endes, nicht jedoch die genaue Zeit. Der asiatische Kulturkreis inkl. des Hinduismus und Buddhismus bringt dagegen ein zyklisches Denkmodell, in dem der Untergang immer auch einen Neubeginn der jungen und wieder vollkommenen Welt bedeutet.

Den religiösen Traditionen ist es gemeinsam, dass sich die Erwartung der Apokalypse immer aus einer negativen Zeitdiagnose ergibt. Die Verfehlungen der Menschheit und ihr moralischer Niedergang führen zwangsweise zum Ende, das die Welt von dem Bösen bereinigt.

Auch die antiken Kulturen wussten vom Armageddon. Das babylonische Gilgamesch-Epos (ca. 1800 v. Chr.) erzählt die Geschichte einer riesigen Flutkatastrophe, die nordische Mythologie sagt wiederum die Ragnarök voraus, also die Götterdämmerung als den letzten Kampf zwischen Gut und Böse.

Allerdings nahm erst seit dem Anfang unserer Zeitrechnung das Thema Weltuntergang eine konkretere Gestalt an und die Reihe der bis auf Tage genau prophezeiten Endzeitpunkte hat begonnen. Der erste „ernstere“ Endzeittermin wurde 500 n. Chr. erwartet, angeblich genau 6000 Jahre nach der Weltschöpfung. Die römischen Theologen Hippolytus und Sextus Julius Africanus (3. Jhdt. n. Chr.) haben sich darauf geeinigt.

Wahre Massenhysterie brach aber erst im Jahr 999 aus, als die ganze christliche Welt am 1. Jänner 1000 den Wiederkunft Jesu erwartete. Obwohl die in der Bibel geforderten Signale dafür nicht eingetreten sind, war die magische Zahl allein ein guter Grund für die Endzeitstimmung. Selbst das Johannesevangelium wurde auf dieses Datum uminterpretiert und Papst Sylvester II bestätigte, dass die Apokalypse naht.

 

Endzeitprophet Nostradamus

Einer der bekanntesten Endzeitpropheten wurde im 16. Jhdt. in Frankreich geboren. Michel de Nostredame (*14. Dezember 1503, † 2. Juli 1566), später nur mehr als Nostradamus bekannt, hat 1555 eine Sammlung seiner prophetischen Gedichte Les Propheties veröffentlicht, welcher er bis heute Weltberühmtheit verdankt. Die Wissenschaftler halten jedoch wenig von der angeblichen Genauigkeit seiner Visionen. Vater des Begriffes Parapsychologie, der deutsche Psychologe Max Dessoir meinte pointiert: „Das Wunder bei Nostradamus ist nicht sein Text, sondern die Auslegekunst seiner Erklärer!“

Tatsächlich lassen sich nämlich in der Regel mehrere diametral unterschiedliche Interpretationen seiner prophetischen Vierzeiler finden, die einer Vielzahl historischer Ereignisse zugeordnet werden können. Zuletzt haben die Nostradamus-Deuter fast einstimmig den Weltuntergang auf 11. August 1999 festgelegt, wenn „vom Himmel der große Schreckenskönig kommen“ sollte. Die richtig „prophezeite“ Sonnenfinsternis an diesem Tag hat die Welt zum Schluss aber doch nicht untergebracht.

Inzwischen hat auch Christoph Kolumbus den Weltuntergang im Jahr 1666 (wegen der Zahl 666 – Zahl des Tieres aus Offenbarung des Johannes) erwartet. Diverse Theologen haben aus dem biblischen Buch Daniels den Termin 21.März 1843 herausgelesen. Am 18.März 1910 sollte die Apokalypse durch die Blausäure im Schweif des Halleyschen Kometen verursacht werden. Später werden die Weltuntergangsszenarien schon unüberschaubarer, da sich in fast jedem Jahr irgendwo eine kleine Gruppe findet, die an das nahe Weltende glaubt. Die Milleniumswende im Jahr 2000 war für die meisten „Weltuntergangsexperten“ eine ideale Gelegenheit für die Armageddonpanik, ohne sich jedoch auf einer einheitlichen Grundlage für ihre Behauptungen einigen zu können.

 

Ursprung der Untergangsängste

Die Parapsychologen und sog. „PSI-Forscher“ erklären die Entstehung von Untergangsszenarien vor allem durch die zeitgenössischen kollektiven Befürchtungen und Projektion dieser Ängste in Zukunftsvisionen. In der Tat lassen sich bei näherer Analyse vieler Prophezeiungen ihre Vorbilder in Ereignissen der Zeit ihrer Formulierung erkennen. Und auch wenn sich die Visionen zum Schluss nicht erfüllen, sind es die dauerhaft drohenden Zerstörungsmächte, Verzweiflung und Scham, die Menschen davon abhalten, aus falschen Vorhersagen zu lernen.

Das bevorstehende Weltende fällt bekanntlich auf den 21.12. 2012, in Anlehnung an den Maya-Kalender, der mit diesem Datum nach etwa 5000 Jahren endet. Dies ist jedoch den alten Mayas zufolge nicht als Ende der Zivilisation und des Lebens zu verstehen, sondern vielmehr als Anfang einer körperlichen, geistigen und seelischen Veränderung zu sehen. Die wahre Bedeutung von 2012 liegt also darin, dass die untergehende Menschheit wieder aufsteigt.

…falls Sie bis zu dieser Stelle gekommen sind und noch immer auf eine seriöse Antwort auf die allerwichtigste Frage hoffen, ist hier das von Wissenschaftlern geschätzte Datum: 4 500 000 000 nach Christus. Ungefähr in 4,5 Milliarden Jahren kommt nämlich unsere Sonne ins Stadium eines Roten Riesen, verzehrt Merkur und macht aus der Erde einen lebenslosen Lavaplaneten – und das ist sicher der endgültige Schluss.

 

Zeynep Berre, Katarina Mintalova, Matus Volny

 

Bilder: Johannes-Apokalypse (A.Dürer), Nostradamus

 

Quellen:

Clébert, Jean-Paul (1998): Die Angst vor dem Weltuntergang. Eine Geschichte der Endzeitstimmung.  Bergisch Gladbach: Bastei-Lübbe.

Hemminger, Hansjörg/ Harder, Bernd (2001): Seher, Schwärmer, Bibeldeuter. Prophezeiungen zum Weltende und ihre Bedeutung. Gütersloh: Gütersloher Verl.-Haus.

Major Religions on the End of the World

Wagner, Kathrin (2009): Die Apokalypse – Interpretation eines altirischen Gedichtes über das Ende der Welt. Diplomarbeit. Wien.

„Weltende“ in den Weltreligionen.

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