Jun 272011
 

 Das Volk der Tolteken war eines jener indigenen Völker, die in der vorkolonialen Zeit Mittelamerika und die Karibik besiedelten. Wie auch die Maya und die Olmeken bildeten sie die Urbevölkerung der heutigen Nationalgebiete Mexiko, Guatemala, Belize und Honduras.
Die toltekische Prophezeiung von der Wiederkehr der Hölle wird gerne im Web zitiert. Ihr Reiz liegt in der festen Datierung eines Endzeitpunktes: im Chinesischen Jahr der Ratte 4694, das dem Jahr 2012 in unserer Zeitrechnung entspricht, sollen die höllischen Mächte losbrechen. Doch gerade in jenem Punkt deckt sich der moderne Mythos nicht mit den kulturhistorischen Kenntnissen der toltekischen Göttersagen.

Tolteken – Untergegangene Hochkultur Mittelamerikas
Im 9. Jahrhundert nach Christi zogen Volksstämme aus dem Norden in Zentralmexiko ein und ließen sich im heutigen Bundesstaat Hidalgo nieder. Sie brachten Schrift und Kalender, sowie große handwerkliche Kunstfertigkeiten mit. Die von ihnen erbaute Stadt Tula entwickelte sich schon bald zum wirtschaftlichen Zentrum der Region. Hier hinterließen die Tolteken zahlreiche Zeugnisse ihrer Kultur und ihres Vielgötterglaubens, bevor sie im 12.Jahrhundert mit dem Volksstamm der Azteken verschmolzen.

Die Überlieferung
Dem Halbgott Quetzalcoatl kommt in den Göttermythen der Tolteken eine heldenhafte Rolle zu. Die Legende besagt, dass das vierte Zeitalter der Welt sich dem Ende zuneigte, als die Götter beschlossen die Menschheit zu vernichten. Quetzalcoatl stieg in die Welt des Todes hinab um die Knochen der menschlichen Ahnen einzusammeln. Die kostbaren Reliquien der letzten vier Zeitalter zu besitzen würde ihm die Macht verleihen über den Fortbestand der Menschheit zu entscheiden. Auf abenteuerliche Weise gelang es ihm schließlich, die Knochen an sich zu bringen, nachdem die Göttin Quilatzli diese bereits zu Pulver zermahlen hatte.

Das Endzeit-Zitat
„Der Mythos beschreibt, wie Quetzalcoatl (…) seine Genitalien über den pulverisierten Knochen ausbluten läßt. Dabei beginnt sich das fünfte Zeitalter der Gefühle auf Erden zu manifestieren. Das Blutopfer ist bemerkt, schafft ein Gefühl, einen Sinn für Buße und Verpflichtung fortan – bis zum Mayajahr 5124, Islamischen Jahr 1391, Illuminaterjahr 6012 oder Gregorianischen Jahr 2012 – wenn alle Hölle einmal wiederkommt, unerwartet, bricht es los…“ (auf: http://www.deoxy.org/rat4694.htm)

Wiederkehr der Hölle im Jahr 2012?
Die zitierte Textstelle wirkt authentisch und ließe sich nahtlos in die toltekische Göttersage einfügen. Sie stammt jedoch nicht aus jener Sammlung historischer Aufzeichnungen aus dem 16. Jahrhundert, die als älteste erhaltene schriftliche Quelle mittel- und südamerikanischer Mythen gilt: dem Codex Chimalpopoca. Es scheint vielmehr als hätte sich im Netz eine fantasievolle Abwandlung verbreitet, die mit Endzeitfantasien spielt.

 

Text: Julia Pekarek

Bild oben rechts: Travis S., „Templo de Quetzalcoatl“ – www.flickr.com / Some rights reserved
Bild unten links: “Quetzalcoatl” aus Codex Borbonicus – www.en.wikipedia.org

Quellen:
Mayer, Doris: 2002. In: Abenteuer Philosophie, Nr. 90
www.indianer-feder.de
www.deoxy.org/rat4694.htm
www.thebellforum.com
http://prophezeiungen.blogspot.com
www.dreamscape.com
http://forum.grenzwissen.de
www.deoxy.org/rat4694.htm
www.schauungen.de

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