Jun 072011
 

Der Satanismus ist eine Bezeichnung für die Verehrung und Entscheidung für Satan und gegen Gott und entspringt der Bibel. Gott und Satan (hebräisch: Widersacher, Feind) sind zwei selbst erzeugte Prinzipien, die voneinander unabhängig sind und sich feindlich gegenüberstehen. Die Verehrung Satans erfolgte in Anlehnung an den christlichen Kultus, dessen Kernelemente in das Gegenteil verkehrt oder verspottet wurden.

Anton Szandor LaVey

Anton Szandor LaVey

Anton Szandor LaVey (11. April 1930 – 29. Oktober 1997), geboren unter dem Namen Howard Stanton Levey, war der Gründer der satanischen Kirche (CoS, Church of Satan), aber auch Schriftsteller, Okkultist und Musiker. Er wird auch als Gründer des heutigen Satanismus angesehen, der unter anderem auch die Satanic Bible (die Satanische Bibel) im Jahr 1969 geschrieben hat. Seine Idee hinter dem Satanismus war es ein System des Verstehens der menschlichen Natur und der Erkenntnis der Philosophen, die den Materialismus und die Individualität befürworteten, zu erschaffen. Für dieses System bediente er sich nicht einer übernatürlichen oder metaphysischen Inspiration.

Anfang der 60er Jahre begann LaVey Freitag Abends Lesungen über Okkultismus und Rituale zu halten. Einer seiner Zuhörer machte ihn darauf aufmerksam, dass seine Ideen die Grundlage einer neuen Religion seien. In der Walpurgisnacht am 30. April 1966 rasierte sich LaVey ritualistisch den Kopf, rief die Gründung der Church of Satan aus und erklärte das Jahr 1966 als das „Jahr Eins“ – Anno Satanas – Das erste Jahr des Zeitalters Satans.

In den Medien wurde er von nun an oft als „Black Pope“ bezeichnet. Er führte satanische Taufen und Beerdigungen durch. LaVey veröffentlichte sogar ein Musik Album mit dem Titel „The Satanic Mass“ („Die satanische Messe“).

Die Idee des Satanismus

Im Gegensatz zum allgemeinen Glauben beten Satanisten nicht den „unheiligen Fürsten“ Satan oder gar den Teufel an. Laut dem Glauben der Satanisten existiert kein höheres Wesen, sondern der Mensch selbst wird als das Höchste gesehen – „Dem Satanisten ist bewusst, dass der Mensch sowie die Aktion und Reaktion des Universums für alles verantwortlich ist, und er gibt sich nicht der Illusion hin, dass jemand anderes für ihn sorgt.“ (zit. aus dem Buch Luzifer)

Auch ist das Schänden von Friedhöfen, das Abrennen von Kirchen oder das Abhalten dunkler Rituale mit Menschen- oder Tieropfern nur reiner Aberglaube. Im Laufe der 70er und 80er Jahre gab es besonders in Norwegen und Schweden im Laufe der Black Metal Bewegung Fälle bei denen satanische Anhänger Kirchen verbrannten und öffentlich satanische Rituale durchführten. Dies entspricht aber nicht der allgemeinen Ideologie des Satanismus

LaVey selbst beschreibt den Satanismus als „ultimative“ bewusste Alternative zu Herdenmentalität. Es stellt eine Ansammlung von Prinzipien und Übungen dar, die „den Einzelnen der Gefahr befreien sollen sich mit jener Geistlosigkeit anzustecken, die jegliche Innovation zu nichte macht“.

Das Wort Satanismus hat er gewählt, da er das Wort stimulierend findet und da dessen Bedeutung Widerspruch, einschließlich aller Symbole des Nonkonformismus entspricht. Zusammenfassend hat LaVey die Namensgebung wie folgt begründet: „es heißt Satanismus, weil es Spaß macht und weil es exakt und produktiv ist!“

Die satanische Bibel

Die satanische Bibel wurde gemäß LaVeys Eigendarstellung in einer Nacht, der Walpurgisnacht 1968, verfasst. Nach Angaben Zeenas, LaVeys Tochter, und Nikolas Schreck verfasste er die Bibel unter großem Zeitdruck seitens des Verlags. Große Teile des Werkes sind Plagiate anderer Büchern und Schriften. Die Idee hinter dem Buch ist es seine Weltanschauung zu beschreiben, die LaVey einem höheren Status als den einer Relidion erhebt. Es dient als Grundlagenwerk des modernen Satanismus und somit der Church of Satan.

Die Bibel beschreibt  anfangs die 9 Grundsätze des Satanismus, die das Äquivalent zu den 10 Geboten darstellen. Diese lauten:

  1. Satan bedeutet Sinnesfreude statt Abstinenz.
  2. Satan bedeutet Lebenskraft statt Hirngespinste.
  3. Satan bedeutet unverfälschte Weisheit statt heuchlerischem Selbstbetrug.
  4. Satan bedeutet Güte gegenüber denen, die sie verdienen, statt Liebe an Undankbare.
  5. Satan bedeutet Rache statt Hinhalten der anderen Wange.
  6. Satan bedeutet Verantwortung für die Verantwortungsbewussten statt Fürsorge für psychische Vampire.
  7. Satan bedeutet, dass der Mensch lediglich ein Tier unter anderen Tieren ist, manchmal besser, häufig jedoch schlechter als die Vierbeiner, da er auf Grund seiner „göttlichen, geistigen und intellektuellen Entwicklung“ zum bösartigsten aller Tiere geworden ist.
  8. Satan bedeutet alle sogenannten Sünden, denn sie alle führen zu physischer, geistiger und emotionaler Erfüllung.
  9. Satan ist der beste Freund, den die Kirche jemals gehabt hat, denn er hielt sie die ganzen Jahre über am Leben, er ist die Rechtfertigung ihrer Existenz.

In den ersten beiden Teilen (dem Buch Satan und dem Buch Luzifer) wird erzählerisch die Idee hinter dem Satanismus und das Verhältnis eines Satanisten zu Gott beschrieben. Andere Religionen wie das Christentum und das Judentum werden hier kritisiert. LaVey distanziert den Satanismus in diesen Teilen von dem allgemeinen Glauben über Satanisten, dass sie Blut trinken, Opfermorde begehen usw. In den letzten beiden Teilen werden vor allem die magischen und okkultistischen Aspekte des Satanismus ausgeführt.

Das Böse in der katholischen Bibel

Grundsätzlich gab es nur gute Engel. Nach einer Auflehnung gegen den Christengott kam es zum Engelssturz. Luzifer (der Lichtbringer) und seine Anhänger wurden von dem Erzengel Michael, gemeinsam mit dessen Kriegern, in den Abgrund der Hölle gestürzt. Der gestürzte Luzifer wurde danach in Satan umbenannt. „Satan ist der beste Freund, den die Kirche jemals gehabt hat, denn er hat sie all die ganzen Jahre über am Leben erhalten!“ (9. Satanischer Grundsatz)

Im Alten Testament wird der Teufel nur beiläufig erwähnt – als himmlisches Wesen. Im Neuen Testament hingegen wird Satan ein eigenmächtig handelndes Lebewesen. Er erscheint unter anderem auch unter Namen wie Diabölos und Beelzebub. Dazu kommen auch Bezeichnungen wie Herrscher dieser Welt, Lügner, Drache oder Schlange. Der Satan, der bei den neutestamentlichen Schriftstellern besonders bei Paulus und Johannes sehr häufig vorkommt, bleibt trotzdem eine diffuse Gestalt.

Im 13. Kapitel der Offenbarung des Johannes erhält Satan die Gestalt eines aus dem Meer aufsteigenden Tieres, eines Drachen, mit 10 Hörnern und 7 Köpfen (Off 12,3 ff). Auf jedem Horn trug es eine Krone, und auf den Köpfen gotteslästerliche Namen. Der Körper glich dem eines Panthers. Dieses Tier wird sogleich als Antichrist bezeichnet. Da Satan ein erbitterter Gegner Christi ist und die Zahl der Sünder auf der Welt vergrößern will, ist er verantwortlich dafür, dass die Welt in zwei Reiche zerfällt: nämlich in das Reich Christi und das des Satan.

Kein Ende in Sicht…

Im Satanismus und der satanischen Bibel wird kaum das Thema Weltuntergang oder das Ende der Existenz auf Erden behandelt. Der allgemeinen Glauben, dass Satanisten der „unheiligen Fürsten“ Satan beschwören und dieser dann mehrere tausend Jahre der endlosen Qualen über die Menschheit bringen würde sind reiner Aberglaube.

Am Tag des jüngsten Gerichts werden Satan, alle bösen Geister und die Verdammten von den Guten getrennt und auf ewig den Qualen der Hölle ausgeliefert. Dadurch wird sich eine neue Menschheit formen. Die neue Erde und der neue Himmel sollen dann frei sein vom Einfluss des Satan.

 

Michael Wass, Cornelia Gaudera

Quellen:
Schwarze Seele
Church of Satan
Unexplained Stuff
Johannes Apokalypse
Ebook: Satanismus – Das Böse in der Bibel
Schwarze Magie (Satanismus/Okkultismus) und Weiße Magie (New Age/Esoterik)
Anton Szandor LaVey: Die satanische Bibel
Sphinx Suche

Bild:
Anton Szandor LaVey: freebase data: http://www.freebase.com/view/m/02tbmvs

 Posted by on June 7, 2011

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